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Ohne exakte Vermessung keine fehlerfreie Planung!

Auf den ersten Blick ist die Welt der Architekten und Ingenieure im Bereich der Planungsgrundlagen einfacher geworden. Mit den offenen Datenplattformen (Google Earth, DTK – Digitale Topographische Karte, ALKIS – Amtliches Liegenschaftskataster-Informationssystem, DGM – Digitales Geländemodell, …) sind schnell Kartengrundlagen zusammengetragen, die dann im wahrsten Sinn des Wortes die maßgeblichen geodätischen Planungsgrößen liefern (sollen). Dank moderner CAD-Programme werden dann Maße millimetergenau abgegriffen und wegen des einwandfreien optischen Eindrucks als fehlerfrei betrachtet. Dabei ist vielen Architekten und Ingenieuren trotz hinreichender Hinweise beim absolvierten Studium und vorangegangenen Projekten nicht bewusst, dass diese digitalen Datenquellen durch Bildverzerrungen im Luftbildbereich, Kartenfehler durch die Digitalisierung alter analoger Karten bzw. das „Verschmelzen“ verschiedener Kartenmaßstäbe oft nur im Bereich von Metern genau sind.

Jüngstes Beispiel in meinem Vermessungsbüro ist eine Gebäudeabsteckung, dessen geplanter Baukörper nicht auf das zu bebauende Flurstück passte, weil dieses Flurstück in der Natur sage und schreibe sieben Meter schmaler war, als die Amtliche digitale Flurkarte auswies. Ein klassischer Kartenfehler lag vor. Im Zahlennachweis des Fortführungsrisses von 1967 hatte sich ein Berechnungsfehler eingeschlichen, der auch dann in die Amtliche Flurkarte übernommen wurde.

Im bisherigen traditionellen Planungsablauf werden diese Planungsungenauigkeiten im Realisierungsprozess oder sogar erst nach Fertigstellung nachgebessert.

Im BIM-Prozess werden diese Planungsfehler nicht mehr toleriert und eine mit vermessungstechnischem Sachverstand produzierte Planungsgrundlage vor Beginn der Projektplanung wird von ausschlaggebender Bedeutung sein.

Folgende Qualitätsparameter sollten dabei gelten, für die ein Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur in der Regel einzuschalten ist.

  1. Anfertigung eines Lage- und Höhenplanes anhand der aktuellen örtlichen Bebauung, mit Darstellung der oberirdisch sichtbaren Elemente der technischen Versorgung, in einem 3D-Koordinatensystem (Lage und Höhe).
  2. Einarbeitung (Transformation) anderer vorhandener baurechtlicher Festlegungen und Informationen (Bebauungsplan, Baulasten, …).
  3. Einarbeitung der digitalen Liegenschaftskarte mit eventuell örtlichen Ergänzungsvermessungen im planungskritischen Grenzbereich.

Nicht für jedes Planungsvorhaben wird die genannte Vermessungstiefe erforderlich sein, aber dem BIM-Manager, der bei dieser neuen Planungskultur unmittelbar beim Auftraggeber angesiedelt ist, wird angeraten, schon frühzeitig ein qualifiziertes Vermessungsbüro einzubinden, um die Auftraggeberanforderungen bei der Umsetzung des Objektabwicklungsplanes im geodätischen Bereich abzusichern. Es wird dabei auf folgende Planungsschwerpunkte verwiesen:

  1. Einfügen des geplanten Baukörpers in das betroffene Grundstück, unter Beachtung des Bau- und Nachbarrechts (bauliche Ausnutzung, Grenzabstand, Mindestgrenzabstand, Grenzbebauung, …).
  2. Berechnung von Grundflächenzahl (GRZ), Geschossflächenzahl (GFZ) und Nachweis der Geschosse.
  3. Berechnung und vermessungstechnischer Nachweis der Abstandsflächen.
  4. Ausarbeitung des Bestandsplans zum amtlichen Lageplan zum Bauantrag durch die Projekteintragung. (ÖbVI-Siegel zur Beurkundung von Tatbeständen an Grund und Boden.)

Beim Bauen im Bestand werden im BIM-Prozess zunehmend neue Technologien zum Einsatz kommen, die modern ausgestattete Vermessungsbüros schon heute vielfach anbieten.

-          Erstellung von 3D-Plänen und Modellen mittels Laserscanning.

-          Einsatz von Multikoptern (Drohnentechnologie) zur Geländeaufnahme, Beweissicherung, Arbeitsvorbereitung, …).

-          Terrestrische Fotogrammmetrie zur Fassadenaufnahme etc.

Fazit: BIM als Integration aller Beteiligten auf einer Datenbasis wird die Bauplanungsprozesse grundlegend verändern.

Die vermessungstechnischen Leistungen im BIM-Prozess werden durch die gestiegenen Anforderungen an das geodätische Grundlagenmodell weiter an Bedeutung gewinnen.

Der Öffentlich bestellte Vermessungsingenieur bietet sich bei der gestiegenen Anzahl von geodätischen Datenquellen als genauigkeitsinterpretierender Fachingenieur an, der auch für die Zusammenführung und Ergänzung dieser Teildatenmengen zuständig sein kann.

Dipl.-Ing. Gunter Lencer

Vorstandsmitglied IKT

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